First-Party Data sind Daten, die ein Unternehmen direkt von seinen eigenen Kunden, Nutzern und Interessenten erhebt – über eigene Kanäle und mit direktem Einverständnis. Dazu gehören Website-Verhaltensdaten, CRM-Informationen, E-Mail-Interaktionen, Kaufhistorien, App-Nutzungsdaten und Umfrageergebnisse. Im Gegensatz zu Third-Party Data, die von externen Anbietern zugekauft werden, stammen First-Party Data aus der eigenen Kundenbeziehung. Das macht sie präziser, vertrauenswürdiger und – entscheidend in Zeiten von DSGVO und Cookie-Deprecation – datenschutzkonform nutzbar.
Was unterscheidet First-Party von Second-Party und Third-Party Data?
Die Unterscheidung nach Datenherkunft bestimmt Qualität, Verfügbarkeit und rechtliche Nutzbarkeit:
First-Party Data werden direkt vom eigenen Unternehmen erhoben. Ein Online-Shop weiß, welche Produkte ein Kunde angesehen und gekauft hat. Diese Daten sind exklusiv, hochrelevant und basieren auf einer direkten Beziehung.
Second-Party Data sind die First-Party Data eines Partners. Ein Automobilhersteller könnte Nutzungsdaten einer Navigations-App nutzen, die sein Partner erhebt. Die Qualität ist hoch, weil die Daten aus einer direkten Erhebung stammen – die Nutzung erfordert allerdings klare vertragliche Regelungen.
Third-Party Data werden von Datenanbietern aggregiert und an viele Käufer weiterverkauft. Sie stammen aus verschiedensten Quellen – Cookies, App-SDKs, Data Broker – und sind weder exklusiv noch immer transparent in ihrer Herkunft. Genau diese Daten verlieren durch den Wegfall von Third-Party Cookies und verschärfte Datenschutzregulierung massiv an Verfügbarkeit und Relevanz.
Warum sind First-Party Data jetzt entscheidend?
Drei Entwicklungen machen First-Party Data zum zentralen Asset im digitalen Marketing:
Cookie-Deprecation: Safari und Firefox blockieren Third-Party Cookies bereits vollständig, Chrome hat die Privacy Sandbox eingeführt. Werbetreibende, deren Targeting auf Third-Party Cookies basiert, verlieren ihre Datenbasis. First-Party Data sind davon nicht betroffen, weil sie direkt erhoben und in eigenen Systemen gespeichert werden.
DSGVO und Privacy-Regulierung: Die DSGVO verlangt eine rechtmäßige Grundlage für die Verarbeitung personenbezogener Daten. First-Party Data mit informierter Einwilligung erfüllen diese Anforderung. Third-Party Data haben oft intransparente Consent-Ketten, die rechtlich angreifbar sind.
Wettbewerbsvorteil durch Exklusivität: Third-Party Data kann jedes Unternehmen kaufen. First-Party Data sind einzigartig: Nur das eigene Unternehmen kennt seine Kunden so gut. Wer diese Daten systematisch nutzt, trifft bessere Marketing-Entscheidungen als die Konkurrenz.
Welche Quellen liefern First-Party Data?
Die Datenquellen sind vielfältig und oft bereits vorhanden, werden aber nicht systematisch genutzt:
- Website-Verhalten: Seitenaufrufe, Klickpfade, Verweildauer, Scroll-Tiefe, Formularinteraktionen – erfasst über Web Analytics und Tag Management.
- CRM-Daten: Kontaktinformationen, Kommunikationshistorie, Deal-Stages, Kundensegmente – die Kernbasis jeder Kundenbeziehung.
- E-Mail-Engagement: Öffnungsraten, Klickraten, Abmeldungen, bevorzugte Inhalte – wertvolle Signale für Interessen und Engagement-Level.
- Kaufhistorie: Bestellungen, Warenkorbwerte, Produktpräferenzen, Kauffrequenz – die direkteste Information über Kundenwert und -verhalten.
- App-Daten: Feature-Nutzung, Session-Dauer, In-App-Events – besonders relevant für SaaS- und App-basierte Geschäftsmodelle.
- Umfragen und Feedback: Kundenzufriedenheit, Net Promoter Score, Produktfeedback – qualitative Daten, die quantitative Metriken erklären und ergänzen.
- Offline-Interaktionen: POS-Daten, Beratungsgespräche, Event-Teilnahmen – oft vernachlässigt, aber wertvoll für ein vollständiges Kundenbild.
Wie werden First-Party Data im Marketing eingesetzt?
Die Anwendungsfälle reichen von der Personalisierung bis zur Neukundengewinnung:
Personalisierung: Website-Inhalte, E-Mails und Angebote werden basierend auf dem individuellen Nutzerverhalten angepasst. Ein wiederkehrender Besucher sieht andere Inhalte als ein Erstbesucher. Ein Kunde mit hohem Lifetime Value erhält exklusive Angebote. Marketing Automation macht diese Personalisierung skalierbar.
Retargeting: Website-Besucher und App-Nutzer werden über eigene Daten für Retargeting-Kampagnen genutzt – auf Meta, Google oder programmatischen Plattformen. First-Party-basiertes Retargeting ist präziser, weil es auf tatsächlichem Verhalten statt auf Wahrscheinlichkeiten basiert.
Lookalike Audiences: Die besten Bestandskunden dienen als Vorlage für die Neukundengewinnung. Meta und Google analysieren die Merkmale hochgeladener Kundenlisten und finden neue Nutzer mit ähnlichen Profilen.
E-Mail-Segmentierung: Statt einer Newsletter-Kampagne an alle Kontakte werden Segmente basierend auf Verhalten und Kaufhistorie gebildet. Kontakte mit unterschiedlichen Interessen erhalten unterschiedliche Inhalte.
Attribution: First-Party Data ermöglichen die Verknüpfung von Touchpoints über Kanäle hinweg – vom Erstkontakt bis zum Abschluss. Eine Voraussetzung für fundierte Budget-Entscheidungen.
Was ist eine Customer Data Platform?
Eine Customer Data Platform (CDP) ist die technische Antwort auf fragmentierte First-Party Data. Sie sammelt Daten aus allen Quellen – Website, CRM, E-Mail, POS, App – und vereint sie in einem einheitlichen Kundenprofil. Jeder Kontakt wird über alle Kanäle und Geräte hinweg zu einer einzigen Identität zusammengeführt.
Der Unterschied zum CRM: Ein CRM verwaltet bewusst eingegebene Kontaktdaten und Interaktionen. Eine CDP erfasst zusätzlich anonyme Website-Besuche, verknüpft sie mit bekannten Profilen und macht die vereinigten Daten in Echtzeit für Marketing-Tools nutzbar. Ein Segment wie „Kunden mit Kaufwert über 500 Euro, die seit 90 Tagen inaktiv sind” wird automatisch an die relevanten Kanäle übergeben.
Wie hängen First-Party Data und Consent Mode zusammen?
Consent Mode ist Googles Mechanismus, der steuert, wie Google-Tags sich verhalten, wenn ein Nutzer keine Einwilligung erteilt hat. Er stellt sicher, dass die Erhebung von First-Party Data DSGVO-konform erfolgt: Ohne Einwilligung werden keine personenbezogenen Daten erfasst, Google nutzt stattdessen cookielose Pings für Modellierung. Gleichzeitig beeinflusst Consent Mode die Datenqualität direkt – je mehr Nutzer einwilligen, desto vollständiger sind die Daten. Eine gut gestaltete Consent-Abfrage mit klarer Kommunikation des Mehrwerts führt zu höheren Opt-in-Raten.
Wie funktioniert es in der Praxis?
Ein typisches First-Party-Data-Projekt beginnt mit dem Audit der vorhandenen Datenquellen. In den meisten Unternehmen existieren bereits wertvolle Daten – sie liegen nur in Silos: Website-Daten im Analytics-Tool, Kundendaten im CRM, E-Mail-Daten im Newsletter-System, Kaufdaten im ERP. Die Herausforderung ist nicht die Erhebung, sondern die Verknüpfung.
Im ersten Schritt wird ein Datenkonzept erstellt: Welche Daten werden wo erhoben? Welche Consent-Basis liegt vor? Welche Systeme müssen verbunden werden? Daraus entsteht eine Roadmap für die technische Integration.
Die Umsetzung beginnt mit sauberem Consent Management und einem Web-Analytics-Setup, das alle relevanten Nutzerinteraktionen erfasst. Parallel werden CRM und E-Mail-System über APIs oder eine CDP verbunden. Ziel ist ein einheitliches Kundenprofil aus Verhaltensdaten und Kontaktdaten.
Dann werden die Daten aktiviert: Custom Audiences für Retargeting auf Meta und Google, Lookalike Audiences für Neukundengewinnung, dynamische E-Mail-Segmente für personalisierte Kommunikation. Die Conversion Rate steigt, weil die Ansprache auf tatsächlichem Verhalten basiert.
Die laufende Optimierung umfasst die Erweiterung der Datenquellen, die Verfeinerung der Segmente und die Messung des Impacts auf Kampagnen-Performance. First-Party-Data-Strategien sind keine einmaligen Projekte, sondern ein kontinuierlicher Prozess.
Häufige Fehler
Daten ohne Einwilligung erheben: Wer Tracking ohne ordentliches Consent Management betreibt, riskiert DSGVO-Bußgelder und Vertrauensverlust. Die Einwilligung ist kein Hindernis, sondern die Grundlage für nachhaltige Datennutzung.
Daten in Silos belassen: Website-Daten im Analytics-Tool, Kundendaten im CRM, E-Mail-Daten im Newsletter-System – wenn diese Quellen nicht verbunden sind, bleibt das Kundenbild fragmentiert. Die Stärke von First-Party Data entfaltet sich erst durch die Verknüpfung.
Daten sammeln, aber nicht aktivieren: Viele Unternehmen erheben fleißig Daten, nutzen sie aber nicht operativ. Ein CRM mit tausenden Kontakten, die nie segmentiert werden, ist verschwendetes Potenzial. Daten werden erst wertvoll, wenn sie in Kampagnen und Entscheidungen einfließen.
Schlechte Datenqualität akzeptieren: Doppelte Kontakte, veraltete E-Mail-Adressen, inkonsistente Schreibweisen – mangelnde Datenhygiene entwertet die gesamte Datenbasis. Regelmäßige Bereinigung und Deduplizierung sind Pflicht.
Offline-Daten ignorieren: POS-Transaktionen, Beratungsgespräche, Messe-Leads und Telefonate liefern wertvolle First-Party Data, die oft nie digitalisiert werden. Gerade für Unternehmen mit stationärem Geschäft liegt hier enormes ungenutztes Potenzial.
First-Party Data mit Think11
Think11 aus Osnabrück entwickelt First-Party-Data-Strategien, die Datensilos aufbrechen und Kundendaten in messbaren Marketing-Erfolg übersetzen. Als HubSpot Solutions Partner und Google Premium Partner verbinden wir CRM-Daten, Web Analytics und Kampagnenplattformen zu einem geschlossenen Datenkreislauf. Von der Consent-Strategie über die CDP-Implementierung bis zur Aktivierung in Programmatic-Advertising- und Inbound-Marketing-Kampagnen begleiten wir den gesamten Prozess. In über 3.000 Projekten haben wir erfahren: Unternehmen, die ihre First-Party Data systematisch nutzen, treffen bessere Entscheidungen – und erzielen bessere Ergebnisse.